Staupevirus (Canine Distemper Virus, CDV)

Biologie des Erregers und Pathogenese der Infektion:

  • Paramyxovirus, Genus Morbillivirus (RNA).
  • Überlebt im Sonnenlicht bis 14 Stunden, in Räumen und auf Kleidern mehrere Tage, rasche Inaktivierung durch Hitze, nicht aber durch Kälte, verschiedene Desinfektionsmittel wirksam.
  • Weltweit bei Caniden (Hund, Fuchs etc.), Musteliden (Marder, Dachs etc.) und anderen Familien, Übertragung auf Grosskatzen (Löwen) nachgewiesen.
  • Infektion in der Regel über Aerosole, auch indirekte bzw. intrauterine Übertragung möglich.
  • Erste Virusvermehrung in lymphatischen Geweben des Respirationstrakts.
  • Ausbreitung in alle lymphatischen Gewebe (inkl. Milz, Thymus, Lymphknoten, Knochenmark, Lamina propria des Darmtrakts und Kupfersche Sternzellen der Leber).
  • Inkubationszeit 7-18 Tage.
  • Diverse Symptome z.B. Fieber, Konjunktivitis, Nasenausfluss, Anorexie, gastrointestinale und respiratorische Störungen.
  • Virus wird ab ca. 7 Tagen p. i. in allen Sekreten und Exkreten ausgeschieden.
  • Ausscheidung stoppt in der Regel mit dem Verschwinden der Symptome, Ausnahme: persistent infizierte Tiere (Besiedlung ZNS und entsprechende Symptome, selten andere Organe betroffen).
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    Nachweis:

  • Hochkonserviertes Polymerase-(P)-Gen.
  • Nachweis der meisten CDV-Stämme inkl. Impfvirus
  • Kein Nachweis anderer Morbilliviren (Masern, Rinderpest).
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    Probenmaterial:

    Das optimale Untersuchungsmaterial ist abhängig vom Zeitpunkt der Probenentnahme, dem Infektionsverlauf und den betroffenen Organen. Generell werden Vollblut, Konjunktival- oder Tonsillentupfer oder Urin empfohlen. Eine kürzlich publizierte Untersuchung an zwei natürlich infizierten Hunden zeigte auf, dass sich auch Kot für den CDV-Nachweis mittels RT-PCR gut eignet; im Urin gelang aber der Erregernachweis am längsten und konstantestenUm die Sensitivität der Diagnostik zu erhöhen, empfiehlt es sich gleichzeitig verschiedene Probenmaterialien mittels RT-PCR zu untersuchen. Bei Staupeverdacht bei Hunden mit (untypischen) ZNS-Symptomen empfiehlt sich Urin und Liquor für die RT-PCR zu verwenden.

  • Konjunktival- (ein Tupferende für beide Augen verwenden), Vaginal-, Präputialtupfer: Probe mit Wattestäbchen mit Kunststoffschaft (kein Karton!) entnehmen, in Reaktionsgefäss stecken, bündig mit Rand abschneiden, Gefäss gut verschliessen.
  • Urin: mind. 1 ml in Röhrchen ohne Zusatz.
  • Liquor: 0.5 ml ohne Zusatz bei Verdacht auf ZNS-Form der Staupe, Nachweis unsicher.
  • Gewebe: Gewebeproben von inneren Organen per Express einsenden.
  • Vollblut (nur ausnahmsweise, wenn Virämie vermutet wird): 2 ml EDTA-Blut.
  • Kot: in wieder-verschliessbarem Gefäss ohne Zusatz.
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    Interpretation:

    Positiv

  • Staupe-RNA vorhanden, Unterstützung der Diagnose.
  • Negativ

  • Hund ist nicht infiziert.
  • Hund ist in der Inkubationszeit, noch keine Virusausscheidung.
  • Hund hat Infektion eliminiert, keine Ausscheidung mehr.
  • Falsch negativ infolge ungenügender Probenmenge oder ungenügender Stabilität der Virus-RNA.
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    Literatur:

  • Roelke-Parker M.E., Munson L., Packer C., Kock R., Cleaveland S., Carpenter M., O'Brien J., Pospischil A., Hofmann-Lehmann R., Lutz H., Mwamengele G.L.M., Mgasa M.N., Machange G.A., Summers B.A., Appel M.J.G. A canine distemper virus epidemic in Serengeti lions (Panthera leo). Nature 379, 441-445 (1996).