Haemotrope Mycoplasmen

Haemotrope Mycoplasmen (früher Haemobartonellen): Mycoplasma haemofelis, ,Candidatus Mycoplasma haemominutum’ und ‘Candidatus Mycoplasma turicensis’


Spezialangebot für die Bestimmung aller drei Mycoplasmen: PCR Diagnostik/Preisliste

 

Biologie des Erregers und Pathogenese der Infektion:

    • Haemobartonella felis, der Erreger der Felinen Infektiösen Anämie (FIA), wurde neu in die Erregergruppe der Mycoplasmen als so genannte haemotrope Mycoplasmen (oder Haemoplasmen) umgeteilt (2).
    • Zwei Spezies wurden bisher unterschieden: Mycoplasma haemofelis und ,Candidatus Mycoplasma haemominutum’. Ein dritter Erreger wurde kürzlich an unserem Institut in Zürich in einer Katze mit hämolytischer Anämie entdeckt: ‚Candidatus Mycoplasma turicensis’ (4).
    • Die Erreger parasitieren auf roten Blutzellen und verursachen durch deren Schädigung schwere hämolytische Anämien, gekennzeichnet durch Blässe, Lethargie, Fieber, Splenomegalie, Lymphadenopathie, Ikterus und typischerweise Anzeichen einer regenerativen Anämie im Blut.
    • Die Pathogenität von M. haemofelis wurde in mehreren Studien bestätigt!
    • Das pathogene Potential von ‚Candidatus M. haemomintum’ und ‚Candidatus M. turicensis’ scheint abhängig vom Vorliegen von Kofaktoren, wie z.B. Stress, Immunsuppression und retrovirale Infektionen (1, 3).
    • Die Übertragung der Erreger ist bisher unbekannt; blutsaugende Arthropoden werden vermutet (Flöhe, Zecken)(5), direkte Übertragung z.B. durch Biss wird ebenfalls diskutiert.
    • Die Prävalenz dieser Erreger in Schweizer Katzen wurde an unserem Institut kürzlich untersucht:
      • M. haemofelis: 0.5%
      • ‘Candidatus M. haemominutum’: 8.5%
      • ‘Candidatus M. turicensis’: 1%
    • Empfohlene Therapie: Doxyzyklin, 5-10 mg/kg per os täglich für 2-3 Wochen. Katzen bleiben häufig nach Therapie asymptomatische Träger; eine klinische Reaktivierung wurde bisher nur selten beobachtet, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Eine Elimination der Erregers aus dem Blut nach 2 Wochen Doxyzyklin Behandlung wurde bei ‚Candidatus M. turicensis’ infizierten Katzen beobachtet. Nachweis:
    • Diagnose mittels real-time PCR mit hoher Sensitivität und Spezifität. Drei separate TaqMan PCR Analysen zum spezifischen Nachweis von M. haemofelis, ‚Candidatus. M. haemomintutm’ und ‘Candidatus M. turicensis’. Amplifikation des 16S rRNA Gens der Erreger.

 

Probenmaterial

    • Frisches Vollblut: 2 ml EDTA Blut
    • Blutentnahme nicht während antibiotischer Therapie (falsch neg. Resultate)! Frühestens 1 Woche nach Ende der Therapie Blutentnahme für Analyse möglich.
    • Spezialangebot für die Bestimmung aller drei Mycoplasmen: PCR Diagnostik/Preisliste

 

Interpretation

Positiv für M. haemofelis:

    • Katze mit klinischen Symptomen (Anämie, Hämolyse, ev. Ikterus): sollte therapiert werden.
    • Katze ohne klinische Symptome: wahrscheinlich asymptomatisches Trägertier. Da bisher keine Elimination von M. haemofelis aus dem Blut nach Antibiotika-Therapie beobachtet und eine deutliche Load Reduktion im Blut der Katze nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte, ist eine Therapie nicht unbedingt indiziert. Die Katze sollte jedoch beobachtet und bei den ersten Anzeichen einer Anämie und Hämolyse antibiotisch therapiert werden.

Positiv für ‚Candidatus M. haemominutum’:

    • Katze mit klinischen Symptomen: nach Ausschluss anderer häufiger Ursachen hämolytischer Anämien wird eine Therapie empfohlen.
    • Katze ohne klinische Symptome: Therapie wird empfohlen, da eine deutliche Reduktion des Erregerloads und in einzelnen Fällen eine Elimination des Erregers aus dem Blut nach Antibiotika-Therapie beobachtet wurde.

Positiv für ‚Candidatus M. turicensis’:

    • Katze mit klinischen Symptomen: nach Ausschluss anderer häufiger Ursachen hämolytischer Anämien wird eine Therapie empfohlen.
    • Katze ohne klinische Symptome: eine Therapie wird empfohlen, da eine Elimination dieses Erregers aus dem Blut bei mehreren Katzen nach Doxycycline Therapie beobachtet wurde. Damit kann einer möglichen Ansteckungsgefahr anderer Katzen vorgebeugt werden.

Negativ

    • Katzen nicht mit ‚Candidatus M. haemominutum’ oder ‚Candidatus M. turicensis’ infiziert.
    • Da M. haemofelis Loads im Blut von Katzen sehr stark schwanken, kann mit einem negativen Resultat eine Infektion nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Insbesondere bei starkem klinischen Verdacht sollten daher mehrfach getestet oder aufgrund der Verdachtsdiagnose antibiotisch therapiert werden.

 

Literatur

1. Foley, J. E., S. Harrus, A. Poland, B. Chomel, and N. C. Pedersen. 1998. Molecular, clinical, and pathologic comparison of two distinct strains of Haemobartonella felis in domestic cats. Am J Vet Res 59:1581-8.

2. Messick, J. B. 2004. Hemotrophic mycoplasmas (hemoplasmas): a review and new insights into pathogenic potential. Vet Clin Pathol 33:2-13.

3. Willi, B., F. S. Boretti, C. Baumgartner, S. Tasker, B. Wenger, M. L. Meli, H. Lutz, C. E. Reusch, and R. Hofmann-Lehmann. 2005. Prevalence and Clinical Importance of the Two Known and a Third Novel Feline Hemoplasma Species in Cats in Switzerland. 15th ECVIM-CA Congress Proceedings, Glasgow, Scotland.

4. Willi, B., F. S. Boretti, V. Cattori, S. Tasker, M. L. Meli, C. Reusch, H. Lutz, and R. Hofmann-Lehmann. 2005. Identification, molecular characterization, and experimental transmission of a new hemoplasma isolate from a cat with hemolytic anemia in Switzerland. J Clin Microbiol 43:2581-5.

5. Woods, J. E., M. M. Brewer, J. R. Hawley, N. Wisnewski, and M. R. Lappin. 2005. Evaluation of experimental transmission of Candidatus Mycoplasma haemominutum and Mycoplasma haemofelis by Ctenocephalides felis to cats. AJVR 66:1008 - 1012.