Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME)

Biologie des Erregers und Pathogenese der Infektion:

  • Flavivirus (RNA).
  • Verlust der Infektiosität durch Austrocknung, Pasteurisierung, Desinfektion.
  • Übertragung transovariell und transstadiell durch gewöhnlichen Holzbock (Ixodes ricinus), Zecken sind je nach Witterung von März bis November aktiv, bleiben zeitlebens Virusträger.
  • Naturherde (Endemiegebiete) in der Schweiz in der Umgebung von Schaffhausen und Stein am Rhein (SH), Elgg (ZH), Frauenfeld und Diessenhofen (TG) und Thun (BE).
  • Bis heute Fälle bei Mensch, Hund, Ziege und Pferd nachgewiesen. Wiederkäuer scheiden das Virus während der Virämie in der Milch aus (Ansteckungsquelle unpasteurisierte Milchprodukte).
  • Inkubationszeit in der Regel 7-14 Tage.
  • Virusvermehrung am Infektionsort.
  • Viren gelangen über Lymphweg zu regionalen Lymphknoten, auf Blut- und Lymphweg weiter in Milz, Leber und Knochenmark, massive Virusvermehrung.
  • Virämie (1. Phase der klinischen Erkrankung), grippeähnlicher Verlauf während ca. 1 Woche, unspezifische Symptome wie Fieber und Kopfschmerzen.
  • Bei meisten Erkrankungen Verlauf mild, keine Therapiemöglichkeit ausser Schmerzbekämpfung.
  • Beim Menschen folgt in 5-10 % der Fälle nach einem symptomfreien Intervall von einigen Tagen eine Meningitis oder Meningoenzephalitis, die in 1-2 % der Fälle tödlich verläuft.
  • Bester Schutz Impfung. Nach Zeckenbiss Zecke möglichst rasch mit Zange entfernen, auf keinen Fall irgend etwas einreiben, da Zecke sonst virushaltigen Speichel erbricht.
  • Nachweis:

  • Sequenz auf dem hochkonservierten NS5-Gen.
  • Nur Nachweis zentraleuropäischer Stämme.
  • Probenmaterial:

  • Liquor: 0.5 ml Liquor ohne Zusatz.
  • Vollblut: 2 ml EDTA-Blut.
  • Gewebe: Hirnstammgewebe per Express einsenden.
  • Zecke (per Express einsenden)
  • Interpretation:

    Positiv

  • Anwesenheit von viraler RNA, FSME kommt als mögliche Differentialdiagnose in Frage
  • Negativ

  • Patient nicht infiziert.
  • Patient in Inkubationsphase, d. h. noch keine Virusausscheidung.
  • Falsch negativ, da zu wenig Probenmaterial oder ungenügende Stabilität der Virus-RNA.
  • Literatur:

  • Wicki R., Sauter P., Mettler C., Natsch A., Enzler T., Pusterla N., Egli G., Bernasconi M., Lienhard R., Lutz H., Leutenegger C.M. A Swiss army survey to determine the prevalence of Francisella tularensis, members of the Ehrlichia phagocytophila genogroup, Borrelia burgdorferi sensu lato, and tick-borne encephalitis virus in ticks. European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases 19, 427-432 (2000)